Oftmals kommt es einem vor, als würde die Forschung in der Wissenschaft nur von Einzelpersonen geführt werden, und ein “Einzelgänger-Ding“ sein. Wann hat man schon in seinen Schulbüchern etwas von einem Wissenschaftlerteam gehört? Meist werden dort nur Einzelpersonen wie z.B. Newton genannt. Jedoch ist wissenschaftlicher Fortschritt, welcher das Ziel der Wissenschaft ist, von sozialen Faktoren stark beeinflusst. Aber was sind diese sozialen Faktoren?
Als erstes müssen wir festlegen, was Wissenschaft ist. Die Wissenschaft ist alles, was wissenschaftlich betrachtet wird. Jedoch gibt es mehrere Möglichkeiten, diese zu definieren. Für den logischen Positivismus ist alles wissenschaftlich, was sich durch den Verifikationismus beweisen kann. Der logische Positivismus ist eine philosophische Bewegung des frühen 20. Jahrhunderts, dessen Ziel es war, die Metaphysik, also der Teil der Philosophie, der versucht, Sinn oder Prinzipien als auch Aspekte jenseits der Realität zu erklären, abzuschaffen und diese durch rein empirisches Denken, also durch Beobachtung zu ersetzen, sowie alle Wissenschaften zu vereinen. Hieraus entstand die Methode des Verifikationismus. Laut dem Verifikationismus ist etwas nur wissenschaftlich, wenn es sinnvoll ist: Diese definieren “sinnvoll”, wenn eine These eindeutig richtig oder falsch durch empirische Mittel zu beweisen ist. In anderen Worten wird dies Observation genannt, wie zum Beispiel, dass Experimente so lange durchgeführt werden, bis die Behauptung widerlegt wird. Da diese Bedingung unmöglich ist, wird eine so genannte „Induktion“ durchgeführt. Diese hat nichts mit der Induktion aus der Physik zu tun. Hier bezeichnet sie in der Logik ein Verfahren, woraus sich aus einer Menge vieler Ergebnisse für ein Ergebnis entschieden wird und als richtig angesehen wird, vergleichbar mit bei dem „Gesetz der großen Zahlen“. Um mit dem Verifikationismus etwas zu beweisen, werden also viele Personen gebraucht, da ein einziger nur schwerlich diese Menge an Daten sammeln kann.
Neben dem Verifikationismus gibt es noch eine andere Methode, etwas zu überprüfen, welche vom kritischen Rationalismus eingesetzt wird: den Falsifikationismus. Um etwas als wissenschaftlich zu definieren, befasst sich der Falsifikationismus mit den möglichen Fehlern. Damit wird versucht, wissenschaftliche oder sozio-politische Probleme durch rationale und ideologiefreie Methoden zu lösen. Diese entstanden unter anderem als Reaktion auf den logischen Positivismus und als Kritik des Verifikationismus, denn der Verifikationismus hat neben seiner Umständlichkeiten zudem das Problem: Er schließt manche Behauptungen aus. Beispiele hierfür sind existenziell negative Behauptungen, wie “Es gibt keine roten Schwäne“, oder universale Behauptungen, wie Naturgesetze oder pathologische Behauptungen, da diese nur falsch oder richtig sein dürfen, um laut dem logischen Positivismus sinnvoll sein dürfen. Hieraus entwickelte K. Popper den Falsifikationismus, in dem alles wissenschaftlich ist, was versucht wird, widerlegt zu werden, solange er sich nicht selbst widerspricht. Dies hat viele Vorteile gegenüber des Verifikation. Dieser ist weniger zeitaufwändig, da er mehrere Typen von Behauptungen erlaubt und sie nach ihrer Anfälligkeit für Fehler überprüft. Dieser hat jedoch ein anderes Problem: Eine Behauptung/These besteht aus mehreren Faktoren, wie verwendete Theorien (Paradigmen), in dem diese stattfindet sowie verschiedene Messungenauigkeiten. Wenn eine These widerlegt wird, kann man nicht genau schließen, welcher Teil falsch ist und welcher nicht falsch sein muss.
Hier kommt der wissenschaftliche Konsens ins Spiel. Die Wissenschaftler einigen sich aufgrund mehrerer Faktoren, wie “Kohärenz, Anwendbarkeit, Einfachheit, etc.“, auf den oder die Faktoren, welche falsch sind. Sie bilden sozusagen eine organisierte Kritik, da sie hier als Gruppe agieren. Je nachdem, auf welchen Faktor sich diese Wissenschaftler geeinigt haben, wird diese These verworfen und eine Umstrukturierung oder gar ein neues Paradigma gefunden. Natürlich sind nicht alle Ansätze, welche aus dem Konsens entstehen, unbedingt richtig, da diese den Werten und Normen ihrer Zeit unterworfen sind. Hierdurch zeigt sich, dass die Wissenschaft von Grund auf sozial ist, da wissenschaftlicher Konsens zum Fortschritt der Wissenschaft nötig ist, da dieser wiederum von den Werten und Normen der Gesellschaft geprägt ist.
A.Beranger
Juignet, Patrick. Le Cercle de Vienne. Philosophie, science et société. 2017. https://philosciences.com/cercle-de-vienne
Stern, A. (1935). LE CERCLE DE VIENNE ET LA DOCTRINE NEOPOSITIVISTE. Thalès, 2, 211–227. http://www.jstor.org/stable/43861542
https://www.britannica.com/biography/Karl-Popper
https://plato.stanford.edu/entries/popper
https://plato.stanford.edu/entries/logical-empiricism
Beitragsbild: [[File:Students at the Science Battle 2017 in Tartu 1.jpg|Students_at_the_Science_Battle_2017_in_Tartu_1]]


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