Was haben die vier reichsten Menschen dieses Planeten eigentlich gemeinsam? Es gibt nicht viel, was sie vereint… ein Inder, ein Franzose und zwei Amerikaner, alle etwa oder mehr als 150 Milliarden Dollar schwer. Was allerdings erst auf den zweiten Blick auffällt, ist, dass Elon Musk, Bernard Arnault, Gautam Adani und Jeff Bezos, hier nach Reichtum aufgelistet, eine Passion zu teilen scheinen: Alle machen sie „was mit Medien“ – klingt ein wenig nach unseren Abiturientinnen und Abiturienten. Den drei zuletzt genannten Männern gehören schon länger wichtige Medienunternehmen ihres Landes, Elon Musks chaotische Akquisition von Twitter wurde erst kürzlich vollzogen. Offen bleibt dabei, wie stark der Kurs des Unternehmens zukünftig von den persönlichen und teils kontroversen Ansichten seines CEO’s beeinflusst wird.

Allerdings sind die vier Herren bei Weitem nicht die einzigen Medienfreunde in ihrem illustren Verein der Superreichen – zig Milliardäre besitzen Medienunternehmen oder sind mit ihnen reich geworden. Der allbekannte Herr Zuckerberg und „Meta“, Rupert Murdock und „Fox News“ oder Carlos Slim Helu und die „New York Times“.
Die angehenden BWLerinnen und BWLer aus den Stufen 12 und 13 werden jetzt, eine Diffamierung von Reichtum und freier Marktwirtschaft fürchtend, natürlich schreien: „Ist doch klar, wieso die das machen, es lohnt sich eben – und was sich lohnt, wird gemacht, so will es der Markt. Außerdem, was ist denn schlimm daran, wenn Milliardäre in Medienunternehmen investieren, schließlich könnte ich dort mal im Accounting unterkommen!“
Das ist ein weiteres Zeichen dafür, dass die Superreichen Vermögenswerte besitzen wollen, die ihnen noch mehr Macht verleihen.
Claire Enders, Gründerin „Enders Analysis“
Vorletzterem widerspricht Claire Enders, Gründerin des reputationsreichen britischen Analysehauses „Enders Analysis“ in der Zeitung „The Guardian“ vehement: „Das (Der Kauf von Medienunternehmen) ist ein weiteres Zeichen dafür, dass die Superreichen Vermögenswerte besitzen wollen, die ihnen noch mehr Macht verleihen. Was auch immer sie sagen, das ist der tatsächliche Grund, warum sie sie (Medien) kaufen.“ (eigene Übersetzung, abgesegnet von Herrn Reinsbach).
Nehmen wir aber einfach mal an, dass die Einschätzung der Expertin nicht zutrifft und die Milliardäre tatsächlich, wie von unseren künftigen BWL-Erstis gemutmaßt, nur am schnöden Mammon interessiert sind. Diese Sichtweise ist zu Teilen durch ökonomische Daten zu bestätigen. Laut eines Reports von „Mordor Intelligence“ wird der globale Medienmarkt von 2021 bis 2026 um circa 13% pro Jahr wachsen . Dies würde durchaus für eine Investition in den Sektor sprechen. Allerdings suggeriert zum Beispiel eine Analyse der „Harvard Business School“, eine der renommiertesten Business Schools weltweit, dass der Zeitungssektor – digital und analog – starke Umsatzeinbußen hinnehmen musste und dass bisher kein Akteur nachhaltige Lösungsansätze entwickelt hat. Dies wiederum spricht klar gegen eine Investition in den Sektor – wie sie bereits unter anderem von „Amazon“-Gründer Jeff Bezos mit der Akquisition der „Washington Post“ getätigt wurde.
Letztlich erlaubt uns die Fakten- und Datenlage keine klare und objektive Antwort auf die Frage, ob Milliardäre sich in Medien einkaufen, um dadurch an Macht und Einfluss zu gewinnen, eine Meinung muss sich jede Leserin und jeder Leser selbst bilden. Wie dieses Votum bei der breiten Masse ausfällt, könnte allerdings wegweisend für zukünftige potenzielle Regulierung des Phänomens sein und sagt viel über das generelle Verhältnis der Bevölkerung zu Reichtum und den Medien aus.
Quellen:
[1] Real Time Billionaires (forbes.com)
[2] Twitter shareholders vote in favor of Elon Musk’s $44 billion takeover deal – CNN
[3] India’s Adani makes foray into media business with Quintillion stake | Reuters
[4] LVMH, world leader in high-quality products
[6 Will Elon Musk Be Forced to Buy Twitter? – YouTube
[7] Top Facebook (Meta) Shareholders (investopedia.com)
[8] Rupert Murdoch & family (forbes.com)
[9] Invest Like Billionaire Carlos Slim Helu – TheStreet
[10] ‘Extra level of power’: billionaires who have bought up the media | The super-rich | The Guardian
[11] Media and Entertainment Industry Size, Share (2022 – 27) (mordorintelligence.com)
[13] https://www.nytimes.com/2022/10/27/technology/elon-musk-twitter-deal-complete.html
Bildquellen:
[1]Jérémy Barande / Ecole polytechnique Université Paris-Saclay / CC BY-SA 2.0, Bernard Arnault (2) – 2017 (cropped), Format von Karl Rinneberg, CC BY-SA 2.0
Originaler Autor: Karl Rinneberg


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