Titel: Künstliche Intelligenz und der neue Faschismus
Textsorte: Essay
Autor: Rainer Mühlhoff
Erscheinungsjahr: 2025
Umfang: 160 Seiten
Verlag: Reclam
Thema: Künstliche Intelligenz
Die Situation in Amerika
Als Donald Trump erneut zum Präsidenten gewählt wurde, hat er einen (mittlerweile ehemaligen) engen Freund von ihm, den Milliardär Elon Musk, zum Leiter des DOGE, dem Department of Government Efficiency, ernannt.1 Es hat laut Dekret2 von Trump die Aufgabe, die Regierungseffizienz zu steigern und folglich für einen effizienteren Staat zu sorgen.
Unter der Leitung von Elon Musk wurde eine E-Mail an die zwei Millionen Angestellten der Bundesverwaltung geschrieben, die u. a. Personaleinsparungen und Loyalitätskriterien ankündigte. Des Weiteren musste man DOGE wöchentlich über seine Arbeit berichten, was dann von Musks Team in ein KI-System eingespeist wurde, welches die Arbeit dann beurteilt und über die Notwendigkeit der Position entschieden hat.
Musks Team übernahm des Weiteren die Kontrolle über andere Behörden, unter anderem das Zahlungssystem des US-Finanzministeriums und auch die CIA, bei denen anschließend alle Erwähnungen von Diversität und Gleichberechtigung in Dokumenten und auf Webseiten gelöscht wurden. Diese Eingriffe geschahen ohne demokratische Legitimation durch das Parlament.
Diesen Umstand, die Einschränkung des Staates aufgrund libertärer und rechtspopulistischer Ansichten, sowie die Errichtung eines auf Automatisierung basierenden Staates schildert der Philosoph, Mathematiker und Professor für Ethik und kritische Theorien der Künstlichen Intelligenz, Rainer Mühlhoff in seinem Buch.
Er ist dabei der Auffassung, dass es momentan eine politische Verschmelzung zwischen neuen rechten Bewegungen (im amerikanischen Raum der „Alt-Right-Bewegung“) und Tech-Eliten (bspw. Elon Musk) gibt, die unter anderem menschenverachtende Positionen vertreten (vgl. S. 9).
Ein weiteres Beispiel dafür ist der US-amerikanische Milliardär deutscher Herkunft, Peter Thiel, der unter anderem PayPal mitgegründet hat und Palantir, ein Programm zur Datenanalyse für die Terrorismusbekämpfung, weclhes auch in Deutschland eingesetzt wird. Er ist für einen Teil der Besetzung des zweiten Kabinetts Trumps verantwortlich, unter anderem J.D. Vance. Er lehnt die Demokratie als Staatsform sowie den freien Markt ab.3
Der Essay stellt die These auf, dass „das faschistoide Potential“ der extrem Rechten (hier: in Amerika) aus der Verbindung mit der Tech-Elite entstammt, da es mit KI-Technologien die Möglichkeit gibt, den Rechtsstaat zu schwächen und den Staat durch algorithmische Prozesse grundlegend zu verändern und zu automatisieren.
Mühlhoff ist der Auffassung, dass einige technologische Mittel mit menschenverachtenden Ideologien besonders gut kompatibel sind und die Verbindung zwischen KI und den neuen autoritären Bewegungen wichtig ist, um den neuen Faschismus, den es laut ihm gibt, zu verstehen.
Was ist der „neue“ Faschismus?
Folgende Aspekte sind laut Mühlhoff die drei Hauptmerkmale des („neuen“) Faschismus:
- Antidemokratisches Wirken, also die Zerstörung der (parlamentarischen) Demokratie; unter anderem für die Selbstbereichung von Unternehmern;
- Gewaltbereitschaft, die online geteilt und unterstützt wird, sowie
- Technologie als Machtinstrument, um Menschen kontrollieren zu können.
Weitere mit KI verbundene Ideologien
Ein weiterer, sehr interressanter Aspekt des Buches ist die Erläuterung von verschiedenen philosophischen und politischen Denkrichtungen, die mit KI verbunden sind und von verschiedenen Tech-CEOs oder Investoren (wie bspw. Peter Thiel) propagiert werden.
Mühlhoff bezieht sich dabei bei den philosophischen Aspekten auf TESCREAL 4, ein von Timnit Gebru und Émile Torres erfundenes Akronym, welches für Transhumanism, Extropianism, Singularitarianism, Cosmism, Rationalism, Effective Altruism und Longtermism steht.
Besonders interessant finde ich persöhnlich dabei den Transhumanismus, eine philosophische Denkrichtung, bei der erwünscht wird, dass der Mensch durch technische Weiterentwicklung seine physischen Grenzen überwindet und unsterblich wird, eine Ideologie, die zuerst in einem Essay des britischen Eugenikers Julian Huxley erwähnt wurde.
Dabei reichen die Ideen von sinnvollen Ideen wie Prothesen und der regenerativen Medizin zu Dingen wie das „Hochladen des Bewusstseins“ in eine Cloud oder auch der Implantation von Gehirnchips.
Dabei ist anzumerken, dass viele Tech-CEOs anscheinend diese Meinung vertreten, was daran zu erkennen ist, dass Elon Musk Neuralink (mit)gegründet hat und auch der eben genannte Peter Thiel sich dafür zu interessieren scheint, da er sich vor seinem Tod einfrieren lassen möchte.
Um die im Essay aufgestellte These, das künstliche Intelligenz dem Faschismus dienen kann, zu verstehen, ist es außerdem wichtig, den Begriff des technologischen Determinismus zu begreifen. Dieser beschreibt die Auffassung, dass die technische Entwicklung unvermeidbar und selbstständig verläuft und die Gesellschaft bestimmt. Der Staat wird dabei meist als Feind angesehen, der nur reguliert.
Fazit und eigene Meinung
Die Grundthese des Buches ist, dass es (vor allem in der USA) eine Verbindung zwischen den Tech-CEOs und den neuen Rechten gibt, die modernste Technologien verwenden, um ihre zumeist antidemokratischen und extremistischen politischen Überzeugungen umzusetzen, da sich KI gut für die Überwachung von Menschen und für Fake-News eignet.
Ich persöhnlich finde den Essay sehr aufschlussreich, da er neben den politischen Aspekten auch Einblicke in die Funktionsweise und Geschichte der KI sowie den dahinter steckenden philosophischen Überzeugungen und Ideen gibt.
Des weiteren finde ich es wichtig, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, da KI und die Politik dahinter eine immer wichtiger werdende Rolle in der Zukunft spielen wird.
Für diejenigen, die sich für dieses Thema interessieren, nicht aber das ganze Buch lesen möchten, kann ich einen Vortrag des Autors auf der re:publica 2025 auf Youtube unter folgendem Link empfehlen: https://www.youtube.com/watch?v=R07XoKGi6XE&t=352s
- Der tatsächliche Leiter der Abteilung war unbekannt, Elon Musk hatte aber de facto die Leitung der Behörde inne und repräsentierte sie auch sehr öffentlichkeitswirksam.(https://www.wired.com/story/doge-elon-musk-leadership-administrator/) Abruf am 15.01.26 ↩︎
- Aufgrund des politischen System der USA, einem Präsidialsystem, hat der US-Präsident die Befugnis, sogenannte Executive Orders anzuordnen, eine Art Anweisung an die staatlichen Behörden. Diese sind in der Regel nicht vom Parlament legitimiert und können nur von Gerichten aufgehoben werden. ↩︎
- https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Thiel , Abruf am 15.01.25 ↩︎
- mehr hierzu: https://en.wikipedia.org/wiki/TESCREAL ↩︎


Schreibe einen Kommentar