In Deutschland fehlen, Stand September 2023, ungefähr 14500 Lehrkräfte in Vollzeit. Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen liegen mit rund 6715 bzw. 1760 fehlenden Lehrern ganz oben. Rheinland-Pfalz liegt mit 170 Lehrern im unteren Mittelfeld. In Bayern und dem Saarland gibt es wenige bzw. keine fehlenden Vollzeitstellen, wie die Umfrage der Kultusministerien (das Ministerium, das für die Schule bzw. die Bildung zuständig ist) berichtet.[1] Am meisten fehlt es bundesweit an Lehrkräften für die sogenannten MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) und künstlerischen Fächern wie Kunst und Musik.[2]
Ursachen:
Es gibt verschiedene Faktoren, die den Lehrkraftmangel verursachen. Viele Lehrkräfte gehen in Rente, während zu wenige neu einstiegen. Dies liegt unter anderem an der Unattraktivität des Berufs, der sowohl von berufstechnischen Faktoren als auch der gesellschaftlichen Ablehnung begründet wird („Lehrer sind faule Säcke“, so Gerhard Schröder, der ehemalige deutsche Bundeskanzler).
Nach den durchschnittlichen 25 Unterrichtsstunden, die eine Vollzeitstelle hält, kommen noch die oft aufwendige Vor- und Nacharbeitung, Korrekturen, Erstellen von Arbeiten und Tests und Elterngespräche sowie Konferenzen und das Planen und Durchführen von Klassenfahrten hinzu. Viele Lehrkräfte klagen außerdem über einen erhöhten bürokratischen Aufwand. Von der ursprünglichen 40- Stundenwoche arbeitet eine durchschnittliche Vollzeit-Lehrkraft ungefähr 50 Stunden[3]. Aufgrund des hohen Arbeitspensums leiden viele Lehrkräfte unter Burnout, wodurch sie über eine längere Zeit oder sogar für immer wegfallen. Der Lehrberuf besitzt in Deutschland allgemein einen eher schlechten Ruf. Aufgrund der vergleichsweise hohen Urlaubstage (Ferien) gelten sie als zu gut bezahlt für einen (anscheinend) niedrigen Arbeitsaufwand. Zudem sind die Einstellungschancen [4] und Arbeitsbedingungen für Teilzeitkräfte aufgrund des erhöhten Lehrerbedarfs schlechter.
Anfang August 2023 löste eine Werbekampagne des baden-württembergischen Kultusministeriums einen bundesweiten Eklat aus: Ein Werbeplakat, auf welchem in der Mitte sowie oben links und unten rechts das Zitat: „Hur […] a […]“, gelandet und gar keinen Bock auf Arbeit morgen? Mach, was dir Spaß macht, und werde Lehrer*in!“ zu lesen war und unter anderem am Stuttgarter Flughafen hing, sorgte für Ärger. So äußerte sich unter anderem der baden-württembergische Realschullehrerverband sehr negativ über die Werbekampagne, während das Kultusministerium erläuterte, dass der Werbespruch bewusst provokant ausgewählt worden sei. Im Nachhinein wurde die Aufschrift jedoch geändert und sollte sich wohl vor allem an Quereinsteiger richten.[5]
Folgen des Lehrermangels
Die Folgen des Lehrermangels sind sehr vielschichtig: Ein offensichtlicher Grund ist der (erhöhte) Unterrichtsausfall, der zu weniger Unterrichtszeit führt – vor allem in der Oberstufe ein Problem. Der erhöhte Ausfall und die Vertretung führen zu der Überlastung weiterer Lehrkräfte, die dies ausgleichen müssen. Die Unterrichtsqualität sinkt also. Auch werden die Klassen größer, was zu einer schlechteren individuellen Förderung der einzelnen Schülerinnen und Schüler führt.
Wie kann das Problem gelöst werden?
Da das deutsche Schulsystem Ländersache ist, gibt es keine bundesweite Lösung des Problems. Der Staat gewährt zwar Zahlungsmittel für Subventionen, so z.B. für die Erweiterung des Angebots an Ganztagsbetreuungsplätzen an Grundschulen. Der Lehrermangel scheint dennoch vor allem ein Problem des Geldes zu sein, auch wenn z.B. die Kulturministerin Niedersachsen argumentiert, dass man eben auch ,,die Köpfe dafür brauche“. [6]
Der bundesweite Aufruf ,,Bildungswende jetzt“, eine Petition, die von verschiedenen, mehr als 90 Organisationen unterschrieben wurde, möchte dem Geldproblem entgegenwirken. Sie fordern ein 100 Milliarden Euro schweres Programm zur Förderung von Schulen und Ausbildung der Lehrkräfte.
Auch die GEW, die Bildungsgewerkschaft, stellte ein 15-Punkte-Programm als Vorschlag für die Politik vor[7] (z.B. die Steigerung der Attraktivität des Berufs durch mehr Gehalt, hier: Die gleiche Bezahlung von angestellten und verbeamteten Lehrkräften oder auch die bessere Ausstattung von Schulen im schwierigen Umfeld, umgangssprachlich auch: Brennpunktschulen.)
Die SWK, die ständige wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz, der bundesweiten Versammlung aller Kultusministerien, veröffentliche eine 41-seitige Stellungnahme mit Empfehlungen zum akuten Lehrkräftemangel.[8] Die 17 Mitglieder dieser Kommission, alles Professoren im Bildungsbereich, empfahlen unter anderem, dass Lehrkräfte durch Studierende und andere nicht unbedingt voll qualifizierten Personen entlastet werden (S.4 f.) oder die Erhöhung von sogenannten ,,Selbstlernzeiten” (S.21 f.).
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[1] https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/lehrermangel-umfrage-100.html
[2] https://www.deutschlandfunk.de/lehrermangel-106.html#Faecher
[3] https://www.sueddeutsche.de/politik/lehrermangel-arbeitszeitmodell-ueberstunden-wenig-unterricht-1.5825150
[4] https://www.tagesschau.de/inland/regional/badenwuerttemberg/plakatkampagne-lehrer-100.html
[5] https://www.deutschlandfunk.de/lehrermangel-106.html#Massnahmen
[6] https://www.gew.de/15-punkte-gegen-lehrkraeftemangel
[7] https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/pdf/KMK/SWK/2023/SWK-2023-Stellungnahme_Lehrkraeftemangel.pdf
Bildquelle:
https://www.deutschlandfunkkultur.de/ursachen-des-lehrermangels-sparen-bis-der-unterricht-100.html


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